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Internationale Kommunikationsplattform zu den Langzeit-Folgen des Tschernobyl Unglücks
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Die Explosion des Reaktors

Der Ablauf und die Ursachen des Reaktorunglücks von Tschernobyl.

Abb. 6: Am 26. April 1986, um 1: 23 : 44 Uhr explodierte Block IV des Kernkraftwerks von Tschernobyl. Einhundert mal mehr Radioaktivität als bei den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki wurden freigesetzt. © Tschernobyl Interinform

Quellen
(3.7) Botsch, Wolfgang: Untersuchungen zur Strahlenexposition von Einwohnern kontaminierter Ortschaften der nördlichen Ukraine, Universität Hannover, 2000, S. 5 ff. und S. 7/8. Hier finden Sie eine Chronologie des Unfalls mit den technischen Details.
(22.3) Katalyse e. V. Das Umweltlexikon, Institut für angewandte Umweltforschung, Köln, 1993, S. 727
(3.8) Botsch, Wolfgang: Untersuchungen zur Strahlenexposition von Einwohnern kontaminierter Ortschaften der nördlichen Ukraine, Universität Hannover, 2000, S. 9 bis S. 13

Glossar
Druckwasserreaktor (DWR)
Siedewasserreaktor
Reaktor
Regelstab
Strahlung und Radioaktivität

Wie lief der Unfall ab?
Der Unfall im Block IV des Kernkraftwerks Tschernobyl ereignete sich in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 während eines Tests. Die Betriebsmannschaft sollte prüfen, ob die Turbine bei einem Stromausfall - ehe die Notstromaggregate anspringen - noch genügend Restenergie für die Kühlwasserpumpen liefern.

Um den Probelauf des Reaktors nicht zu unterbrechen, wurden die Sicherheitssysteme mit Absicht ausser Funktion gesetzt. Für den Test musste der Reaktor auf 25 Prozent seiner Leistung heruntergefahren werden. Dieser Vorgang verlief nicht nach Plan: Die Leistung des Reaktors sank aus bisher ungeklärten Gründen auf unter 1 Prozent. Der Reaktor musste wieder langsam hochgefahren werden. Doch 30 Sekunden nach Testbeginn wuchs die Leistung plötzlich schlagartig an. Die Notabschaltung (Abbruch der Kettenreaktion) des Reaktors misslang (3.7).

In Sekundenbruchteilen stiegen Leistung und Temperatur um ein Vielfaches. Der Reaktor geriet ausser Kontrolle. Es kam zu einer gewaltigen Explosion. Die 1000 Tonnen schwere Abdeckplatte des Reaktorgebäudes wurde weggesprengt. Bei Temperaturen über 2000 Grad Celsius schmolzen die Brennelemente. Dann fing der Grafitmantel des Reaktors Feuer. In einem regelrechten Feuersturm wurden die radioaktiven Spaltprodukte, die aus der Kernschmelze austraten, in die Atmosphäre gesogen (22.3).

Welche Ursachen hatte der Unfall?
Zur Erklärung der Unfallursachen konnte man nicht auf Erfahrungen aus vergleichbaren Ereignissen zurückgreifen. Man war auf Augenzeugenberichte, auf nach dem Unfall durchgeführte Messungen sowie nachgestellte Experimente angewiesen. Die Ursachen des Unglücks werden heute als ein verhängnisvolles Zusammentreffen von menschlichem Versagen und unvollkommener Technik beschrieben.

Der Test, bei dem sich das Unglück ereignete, fand unter Zeitdruck statt. Kurz nach dem Start, am Freitag, 25. April 1986, wurde der Testlauf für neun Stunden unterbrochen. Es musste noch Strom in die Hauptstadt Kiew geliefert werden. Nun fand der Test in der Nacht statt. Als entscheidend gelten heute jedoch mehrere Mängel im technischen Design des Reaktortyps.

Dazu gehört vor allem die Handhabung der Steuerstäbe. Bei einem Reaktor wird die Leistung über die so genannten Steuerstäbe gebremst: Je weniger Steuerstäbe zwischen den Brennelementen platziert sind, desto mehr Leistung bringt der Reaktor. Der Umgang mit dieser Art von "Bremsen" hat jedoch bei diesem Reaktortyp einen verhängnisvollen Mangel. Sind die Steuerstäbe ausgefahren und werden sie "zum Bremsen" wieder zwischen die Brennelemente zurückgefahren, führt dies zunächst zum gegenteiligen Effekt. Die Reaktorleistung wird nicht abgebremst. Sie steigt im Gegenteil zunächst wieder an.

Werden, wie es beim Test in Tschernobyl der Fall war, zu viele Steuerstäbe gleichzeitig ausgefahren und dann bei der Notabschaltung gleichzeitig wieder eingefahren, so steigt die Leistung so extrem an, dass der Reaktor zerstört wird. Ein in seinen Folgen weniger gravierender, ähnlicher Fehler war bereits 1983 in einem Reaktor des gleichen Typs in Litauen aufgetreten. Diese Erfahrung war jedoch nicht an die Betriebsmannschaft in Tschernobyl weitergegeben worden (3.8).