Art und Wirkung der freigesetzten Radioaktivität.
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| (5.4) | Sahm, Astrid: Transformation im Schatten von Tschernobyl, Münster, 1999, S. 186 | | (7.3) | Committee on the Problems of the Consequences of the Catastrophe at the Chernobyl NPP: 15 Years after Chernobyl Disaster, Minsk, 2001, S. 5 ff. |
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Weiterführende Literatur
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| (103) | United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR): Source and Effects of Ionizing Radiation, Annex J, S. 457 ff., UNSCEAR 2000 Report to the Generally Assembly, New York, 2000 |
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Welche Radionuklide wurden freigesetzt? Aus dem zerstörten Reaktor entwichen vor allem in den ersten zehn Tagen nach dem Unfall mehr als 40 verschiedene Radionuklide. Für die Analyse der Folgen des Unfalls sind dabei vor allem Jod (Jod 131) und Cäsium (Cs 137) sowie Strontium (vor allem Sr 90) von Bedeutung. Derzeit wird davon ausgegangen, dass etwa 50 Prozent des Reaktorinhalts an Jod und 30 Prozent des Cäsiums in die Atmosphäre gelangten.
Durch die heissen Gase des brennenden Grafitmantels wurden die radioaktiven Stoffe auch in Höhen von mehr als 1500 Metern getragen. Gesteuert von den unterschiedlichen Wetterverhältnissen in den Tagen nach dem Unfall, verteilte sich die Radioaktivität grossräumig in Skandinavien, Polen, auf dem Baltikum, aber auch in Süddeutschland, Nordfrankreich und England.
In Weissrussland, Russland und der Ukraine verteilten lokale Regenschauer die Radioaktivität sehr ungleichmässig. So wurde das Gebiet um das weissrussische Gomel, im Nordosten von Tschernobyl, zum Teil so stark belastet wie Landstriche in unmittelbarer Umgebung des Reaktors. Die ukrainische Stadt Narodici wurde durch den radioaktiven Fallout in eine unbelastete Westhälfte und eine stark kontaminierte Osthälfte gespalten. Hoch belastete "hot spots" liegen oft dicht neben nur gering belasteten Flächen. Umso wichtiger sind für die Bevölkerung lokale Karten der radioaktiven Belastung. Sie können bei den Gebietsverwaltungen studiert werden (5.4).
Vom Gesichtspunkt der Strahlenbelastung war das Jod, mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen, das grösste Gefahrenpotenzial der ersten Wochen. So wurden in Weissrussland in der ersten Woche nach dem Unfall fast überall erhöhte Jodwerte gemessen. Der Körper verwechselt das radioaktive Jod mit dem natürlichen, stabilen Element Jod. Er speichert es vor allem in der Schilddrüse (7.3).
Radioaktives Cäsium mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren ist das bis heute am meisten verbreitete Isotop. Zwischen 125 000 und 146 000 km2 gelten als mit Cäsium belastet. Eine langfristige radioaktive Belastung droht ausserdem durch Strontium (Sr 90) mit einer Halbwertszeit von 29 Jahren, sowie durch Plutonium (Pu 241) und dessen verschiedene Abbauprodukte. Einige davon werden in 24 000 Jahren erst zur Hälfte abgebaut sein.
Die Folgen des Tschernobylunfalls für die Umwelt lassen sich nicht allein mit der räumlichen Ausdehnung der kontaminierten Gebiete beschreiben. Sowohl Cäsium als auch Strontium und Plutonium werden über den Kreislauf Boden - Pflanze - Tier/Mensch weiterverbreitet. Andere Pfade der räumlichen Verteilung sind die Erosion durch den Wind, Waldbrände sowie die landwirtschaftliche Bearbeitung des Bodens und der Transport durch die Flüsse (5.4).
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